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| Zappelphilipp kein Fall für Doktor |
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Vor einer medizinischen behandlung so genannter hyperaktiver Kinder hat der Darmstädter Pädagogikprofessor Manfred Gerspach gewarnt. Im überwiegenden Teil der Fälle liegen keine körperlichen sondern soziale Störungen vor, sagt Gerspach, Dekan des Fachbereich Sozialpädagogik an der Fachhochschule Darmstadt. Die so genannten Aufmerksamkeitsdefizite (ADS) hätten sich zur Modekrankheit entwickelt, die allen verhaltensgestörten Kindern aufgestempelt werde. Eine wirkliche Diagnose wird meist nicht gestellt, kritisiert Gerspach. Obwohl es keine klare Beschreibung von ADS gebe, werde zur Abhilfe schnell zum Medikament Ritalin gegriffen, um die Kinder ruhig zu stellen.
Nach Angaben von Gerspach wurden 1986 deutschlandweit rund 400 Kinder, die unter einer Hirnfunktionsstörung litten, mit Ritalin behandelt. Heute griffen mehr als 23.000 Kinder regelmäßig zu diesem Medikament, das unter das Betäubungsmittelgesetz falle. Vor 20 Jahren seien im Schnitt bei einem von 10.000 Kindern Verhaltensauffälligkeiten festgestellt worden, jetzt liege die Zahl bei eins zu 100. Ich glaube nicht, dass wir es mit einer Epidemie zu tun haben. Dieses Phänomen ist Folge des gesellschaftlichen Wandels, betont der Professor.
Die Ursachen seien ebenso vielfältig wie die Ausprägungen der Verhaltensauffälligkeiten bei den Kindern. Als Stichworte nennt Gerspach die steigende Zahl der Scheidungen und der Doppelverdiener. Dies führe zu einem Aufmerksamkeitsdefizit der Eltern gegenüber ihren Kindern. Hinzu komme der Leistungsdruck, mangelnde Bewegung und hoher Fernseh- und Computerkonsum. Die Schule verfüge ebenfalls nicht über entsprechende Methoden, um diesen Kindern gerecht zu werden.
Die vorliegenden Forschungen zeigen für Gerspach eindeutig, dass durch intensive Beschäftigung mit den Kindern die Symptome verschwinden. Für die Schule bedeute dies, dass kleinere Gruppen gebildet werden müssten. Durch neue Lehrmethoden solle außerdem der einzelne Schüler besser gefördert werden. Statt einer Massen- Medikamentierung müssten Schulsozialarbeiter eingestellt werden, die sich zusätzlich um betroffene Kinder kümmern könnten, fordert Gerspach.
(Forumsbeitrag von Frau Mohr)
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