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| Weihnachtszeit Eine kleine Geschichte |
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Weihnachtszeit
Von Dietmar Zankl
Mitternacht war lange schon vorüber, als das Auto die Stadt verließ und in die Autobahn einfuhr.
Zügig kam der Wagen auf Tempo und bahnte sich seinen Weg durch die Nacht.
Der einsame Mann am Steuer war besorgt: Seine Frau war noch nicht von der Weihnachtsfeier ihrer Firma zurück, dabei hatte sie bei ihrem Aufbruch doch gesagt, dass sie nicht zu lange auf der Feier bleiben werde. Und nun war sie immer noch nicht nach Hause gekommen, wo der Mann besorgt auf sie wartete.
Irgendwann hatte ihn dann eine unerklärliche Unruhe erfasst, die mit jeder Viertelstunde des untätigen Wartens stärker wurde. Er machte sich nun große Sorgen um seine Frau. Irgendetwas konnte nicht in Ordnung sein, so lange in den neuen Tag hinein ging eine Weihnachtsfeier doch nicht? Und wenn wirklich doch, dann hätte seine Frau ihn sicher angerufen, dass es noch dauern würde, bis sie nach Hause kam.
Aber es kam kein Anruf.
Der Mann wusste noch nicht einmal, wo die Weihnachtsfeier stattfand, und er fühlte, wie sich langsam Panik in ihm ausbreitete. Die Untätigkeit des Wartens trieb ihn schließlich aus der Wohnung hin zu seinem Auto. Das Fahren würde ihm Ablenkung verschaffen, dachte sich der Mann.
Tief in Gedanken versunken steuerte er den Wagen durch große Stadt und bemerkte im Fahren, dass zu solch später Stunde noch sehr viele Menschen unterwegs waren; Besonders die große Zahl von jungen Frauen fiel dem Mann auf, und dass die meisten von ihnen ohne Begleitung waren.
Sie sahen nicht so aus, als ob sie von irgendwoher kämen und nun nach Hause strebten, nein, es schien, als ob sie jetzt erst zu irgendeinem Ziel unterwegs waren. Flüchtig sah der Mann in junge Gesichter, die ihm seltsam unnatürlich erschienen: Die meisten mit viel Makeup - künstlich wirkten sie, nicht real und in den Augen eine unverhohlene Gier nach dem ganz besonderen Kick in dieser Nacht.
Diese unnatürlich erscheinende Betriebsamkeit in den Straßen - weit nach Mitternacht - irritierten den einsamen Mann in seinem Fahrzeug und steigerte die Unruhe in ihm noch mehr, der zu entfliehen er sich doch aufgemacht hatte.
Und so war er irgendwie in die Auffahrt zur Autobahn geraten.
Schon waren die Straßenlampen der Stadt hinter ihm und er musste sich auf den hellen Fleck der Scheinwerfer konzentrieren, die ein Stück der Fahrbahn aus dem Dunkel der tiefen Nacht herausschnitten.
Ja, so war es besser: Keine umhereilenden Gestalten mehr, die wie auf der Jagd zu sein schienen. Wonach..?
Der Mann war nun alleine in der Dunkelheit unterwegs und seine Unruhe legte sich ein wenig. Der Wagen brauste zügig durch die Nacht und schon bald sah er im Lichte der Scheinwerfer ein Hinweisschild, welches die Ausfahrt zu einer Autobahnkirche ankündigte.
Einem Impuls folgend drosselte der einsame Mann die Geschwindigkeit des Autos und verließ die Autobahn. Er folgte den Wegweisern zu der Kirche, die ihn auf einen Parkplatz führten. Der Mann ließ seinen Wagen ausrollen und schaltete Motor und Zündung ab.
Dunkelheit und Stille umgab ihn, als er sein Fahrzeug verließ. Dann sah er im schwachen Licht der Sterne die Autobahnkirche, nur wenige Dutzend Schritte entfernt, und er ging durch stille Nacht darauf zu und betrat das Gotteshaus.
Er fand sich in einem großen, runden Saal wieder, der von einer Reihe von brennenden Kerzen nur sehr spärlich zu erkennen war. Die Kirche war gänzlich aus Holz erbaut und nach oben hin wölbte sich die Decke gleich einer runden Zeltkuppel. Dort, wo der Übergang der Wände zur Decke begann, waren rundumlaufende Fenster, durch die matt die Sterne schimmerten.
Es war still in der Kirche, sehr still.
Nun sah der einsame Mann, dass brennende Kerzen vor einem steinernen Altar ihr warmes Licht verbreiteten. Hinter dem Altar konnte der Mann das große, hohe Kreuz erkennen, an dem die gemarterte, geschundene Gestalt mit der Dornenkrone auf dem Haupte hing.
Langsam, jedes Geräusch vermeidend, näherte sich der Mann dem Altar, vor dem einige Reihen Stühle standen. Er ließ sich auf einem der Stühle nieder, fühlte die tiefe Stille ringsum in sich einwirken und versank in eine tiefe Andacht, in der er irgendwann in sich die Stimme des Gekreuzigten vernahm:
Du bist mit Angst und Sorgen zu mir gekommen! Sprach die Stimme in ihm.
Ja, oh Jesus Christus, ich bin in großer Sorge um meine Frau erwiderte er in stummen Dialog.
Ich weiß um deine Sorge und es ist gut, dass du hierher gekommen bist.
Dann weißt du, oh Herr auch, wo sie ist und warum sie nicht nach Hause gekommen ist?!
Ja, das weiß ich wohl. Sie ist mit vielen anderen auf einer Weihnachtsfeier und es geht ihr dort gut.
Wie kann das sein? Zu solch später Stunde auf einer Weihnachtsfeier?!?
Sie nennen es so.
Doch es hat nichts mit der Weihnacht, der heiligen Nacht zu tun!
Sie benutzen den Namen meiner Nacht um sich zu vergnügen und haben nicht einen einzigen Gedanken an mich dabei. Und so schlagen sie mich immer wieder aufs Neue an das Kreuz.
Herr, Jesus Christus: Warum tun die Menschen das!?
Sie haben die 10 Gebote, die sie vor Unheil und Zerfall bewahren sollen, längst zusammen mit ihrer Moral verbrannt und wollen sich in keine Ordnung mehr einfügen. Das ist es, was sie Freiheit nennen.
Und meine Frau, was macht sie dort? Denkt sie wenigstens an mich?
Zu dieser Stunde ist sie sehr abgelenkt von dem, was um sie herum geschieht und ihre Gedanken sind anderswo. Wenn du sie sehen willst, dann schließe die Augen jetzt, aber bedenke, dass du die Bilder nur als kurze Momente erkennen wirst, die gleich wieder vorbei sein werden.
Und so geschah es. Der Mann schloss die Augen und sah:
Viele Menschen waren in einem großen Raum, Frauen und Männer.
Ein paar Stufen führten zu einer etwas tiefer liegenden Ebene.
Nun waren plötzlich auf dieser tieferen Ebene nur Frauen zu sehen, für einen Moment war auch das das Bild seiner Frau vor ihm. Doch schon zeigten sich dem Mann neue Bilder. Alle Frauen blickten fasziniert auf eine Art Bühne, auf der sich fast nackte Männer obszön zu aufreizender Musik bewegten.
In rascher Folge wechselten nun die Bilder, die der Mann sah.
Während etwas tiefer die Frauen gierig auf die strippenden Männerkörper stierten, waren im Raum der etwas höher lag grölende, angetrunkene Männer dabei, halbnackte Frauen anzufeuern, sich noch mehr zu entblößen.
Jetzt wieder Bilder von der anderen Ebene, wo sich Frauen vor den exhibitionistischen Männern drängten und mit gierigen Fratzen deren Tun begeistert beklatschten.
Der Mann öffnete verstört die Augen. Er wollte diese Bilder nicht länger sehen und er begriff nun, dass die Sorgen um das Wohl seiner Frau, sehr berechtigt waren - wenn auch aus anderem Grund, als er gedacht hatte.
Nein, in dieser Stunde würde seine Frau ganz sicher nicht an ihn denken.
Sei nicht mutlos sprach die Stimme des Gekreuzigten in ihm.
Noch ist es dort nicht vorbei, und vielleicht besinnt sich deine Frau zur rechten Zeit.
Aber das, was ich geschaut habe!
Wie soll ich es je verstehen können?!
Sieh mich an, solange schon werde ich wieder und wieder von den Menschen gekreuzigt, und es geschieht immer öfter, dass sie sich dabei lachend amüsieren. Es wird schwer sein für dich, diese Menschen zu verstehen, denn sie wollen nicht mehr sein, was sie waren und sie sind dabei, ihr Ich zu verleugnen. Sehr viele von ihnen wissen nicht mehr, was sie tun.
Gibt es denn keine Hoffnung mehr?
Doch! Überall auf dieser Erde treten Menschen jetzt ins Licht, um die zu isolieren, die sich den Gemeinheiten, der Brutalität und Gleichgültigkeit, den Lügen, dem rücksichtslosen Egoismus und der Hinterlist verschrieben haben.
Es sind viele, zu viele.
Deshalb müssen sie entlarvt, demaskiert werden, damit alle anderen sehen, wie klein und hässlich diese Menschen in Wahrheit sind. Dann werden ihnen immer weniger nacheifern und sie, die sich als Sieger fühlen, werden unter der Abwendung und Ablehnung leiden, sehr leiden.
Der Mann dankte dem Gekreuzigten für die Erkenntnisse und verabschiedete sich von ihm.
Langsam und sehr nachdenklich verließ er die Kirche und ging zu seinem Wagen zurück.
Eine lange Weile stand er so auf dem Parkplatz, seine Gestalt war in weißes Mondlicht getaucht.
Um ihn war Stille.
Und in ihm war eine große, tiefe Traurigkeit in dieser Nacht im Advent, wo die Menschen sagen, dass sie sich auf die Ankunft des Jesuskindes vorbereiten.
Weihnachtszeit... Zeit der Besinnung.
(Forumsbeitrag von Frau Mohr)
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