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Warum wir so gerne naschen

   

[b]Genetik und Erziehung [/b]

Adventsgebäck steht jetzt wieder überall in den Verkaufsregalen. Man könnte auch sagen: Noch steht es dort. Denn kurz vor Weihnachten ist es bisweilen bereits ausverkauft. Woher kommt diese weit verbreitete Passion fürs Zuckerzeug?

Die Zeitschrift Aktuelle Ernährungsmedizin präsentierte unlängst Studienergebnisse, die darauf schließen lassen, dass die Süßpräferenz zunächst genetisch bedingt ist. Je nach Variation des TAS2R38-Gens auf Chromosom 7q bevorzugten Kinder im Test eine höhere oder weniger starke Zuckerkonzentration. Für Erwachsene zeigte sich dieser Zusammenhang jedoch nicht mehr.

Eine weitere Erkenntnis: Je mehr Süßes Kinder zu sich nehmen, desto mehr bevorzugen sie es - sogar zur Abhängigkeit kann es kommen. Tierversuche ergaben, dass die Zuckerzufuhr die Freisetzung körpereigener Opiate anregt. Mittels Kernspintomographie ließ sich beobachten, dass Lieblingsmahlzeiten bestimmte Hirnareale aktivieren und zwar überraschenderweise genau die, die auch bei der Entstehung von Medikamentenabhängigkeit involviert sind.

Schwierig wird es bei der Frage, welche erzieherische Konsequenz aus diesen Erkenntnissen resultieren sollte. Einerseits zeigten Untersuchungen, dass Kinder aus Elternhäusern mit restriktiver Einstellung gegenüber süßen Nahrungsmitteln deutlich weniger Zucker konsumieren als andere. Andererseits befinden sich jedoch gerade unter diesen Kindern besonders viele (55 Prozent), die sich bei einer Auswahl von Limonaden für die Süßeste entschieden haben, während es bei Kindern aus weniger restriktiven Familien nur 33 Prozent waren. Von ihnen bevorzugten immerhin 19 Prozent die Limonade mit der niedrigsten Zuckerkonzentration. Diese wiederum wurde von keinem der restriktiv erzogenen Kinder favorisiert. Eventuell ist also eine sehr zuckerarme Erziehung sogar kontraproduktiv. (Redaktion)

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© Mike Paßmann, Hamburg