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Warnsignale in der Schwangerschaft

   

Die Bedingungen, unter denen ein Baby im Mutterleib heranwächst, haben nicht nur nachhaltigen Einfluss auf die Gesundheit des Kindes - sie verraten auch einiges über den späteren Gesundheitszustand der Mutter. Dieser Tatsache sei bislang viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden, kritisiert der schottische Mediziner Ian A. Greer, Professor für Geburtshilfe und Gynäkologie an der Infirmary University in Glasgow. Gemeinsam mit seinem Kollegen, dem Hormonexperten Naveed Sattar, hat Greer die vorhandenen Forschungsergebnisse zum Thema ausgewertet und beeindruckende Belege für den engen Zusammenhang zwischen Komplikationen in der Schwangerschaft und späteren Stoffwechsel- und Gefäßerkrankungen der Mutter vorgelegt.

So hat beispielsweise die Mutter eines leichtgewichtigen Neugeborenen statistisch ein elffach höheres Risiko, in späteren Jahren an Herzinfarkt zu sterben, als die Mutter eines Kindes, das mit mindestens 3.500 Gramm auf die Welt kam. Rauchen allein reicht dabei nach Meinung der Wissenschaftler als Erklärung für die starke Korrelation zwischen Geburtsgewicht des Kindes und späterer Herzkrankheit der Mutter nicht aus. Greer und Sattar vermuten vielmehr, dass ein Großteil der Mütter eine angeborene Neigung zu Herz- und Gefäßkrankheiten Krankheiten besitzt. Diese Schwäche zeige sich erstmals in der Schwangerschaft, einer körperlich extrem belastenden Phase: Das Blutvolumen ist in dieser Zeit beispielsweise um 30 Prozent erhöht, das Herz schlägt deutlich schneller, der Venendruck steigt.

Ähnlich verhalte es sich bei der so genannten EPH-Gestose, die bei vier Prozent aller Schwangeren auftritt und durch Bluthochdruck, Ödeme und Eiweißausscheidung gekennzeichnet ist. Die Insulin- und Blutfettwerte sind erhöht, außerdem zeigen die Frauen Anzeichen für eine beeinträchtigte Funktion der Blutgefäße. Greer und Sattar stellten in einer früheren Studie fest, dass Frauen, die eine EPH-Gestose entwickelt hatten, viele Jahre später noch immer - oder wieder? - exakt die gleichen Abweichungen beim Stoffwechsel und der Gefäßfunktion aufwiesen.

Ähnliche Zusammenhänge entdeckten die Forscher zwischen entzündlichen Reaktionen und Diabetes während der Schwangerschaft sowie späteren Erkrankungen der Mutter. Deshalb ihr Fazit: Wer Schwangerschaftskomplikationen als entsprechende Warnzeichen auffasst, könne rechtzeitig gegensteuern, etwa durch Ernährungsumstellung und regelmäßige körperliche Belastung bei erhöhtem Diabetesrisiko oder durch vorsorgliche Herzkontrollen. So gesehen seien diese Risiken der Schwangerschaft eine Chance, resümieren Greer und Sattar.
(Forumsbeitrag von Frau Mohr)


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© Mike Paßmann, Hamburg