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Taps und Tine

   

In einem Zimmer schlafen zwei Kinder: Taps und Tine. Es ist früh am Morgen. Ganz, ganz leise kriecht durch den Vorhang ein Sonnenstrahl. Er springt mit einem Husch durchs Zimmer und landet auf Tapsens Ohr. "Killer, klier, macht er. Aber Taps brummt und dreht sich auf die Seite.
Der Sonnenstrahl klettert am Bettpfosten hoch. Direkt über Tapsens Bett schläft Tine. Er krabbelt ihr mit dünnen Beinchen übers. Gesicht. Als er gerade auf die Nase gestiegen ist, macht Tine "Pschi! und wacht auf. Sie steigt die Leiter herab.

Da wacht Taps auch auf. Er singt: "La, la, la; Taps freut sich, dass es Morgen ist. Der Sonnenstrahl aber saust zurück zur dicken gelben Sonne und meldet: "Taps und Tine haben ausgeschlafen. Da lacht die dicke gelbe Sonne. Etwas geht über den Flur. "Patt, patt, patt! Die Tür zum Schlafzimmer knarrt auf. Tine steht auf der Schwelle und ruft: "Papa, wir woll'n aufsteeehen! Papa blinzelt zum Wecker. Als der Wecker sieht, dass Papa schon wach ist, hüpft er hoch und macht "Kwarrr! "Husch! sagt Papa zu Tine, "ziehst du wohl gleich die Pantoffeln an! Tine blickt auf ihre Füßchen. Die Zehen haben sich zusammengeduckt und frieren. Da rennt Tine und schlüpft in die Pantoffeln. Mama wäscht die Tine. In der Hand hat sie den dicken Waschfleck. Der Waschfleck ist nass und kalt. Tine mag den Waschfleck nicht. Mama fragt: "Welche Hand nehmen wir zuerst?

Tine überlegt: Die rechte oder die linke? "Die rechte, sagt sie und streckt die linke vor. Und da saust der Waschfleck auch schon über die Arme, das Gesicht und den Bauch. Hinterher ist Tine ganz blank.

Dann wäscht sich Mama, und Tine zieht sich unterdes an. Ganz allein tut sie das und macht auch die Knöpfe selber zu. "Eins - drei - zwei, zählt sie dabei.

Nun ist Taps an der Reihe. Taps steht in der Badewanne und will das Wasser festhalten, das aus dem Hahn fließt. Das Wasser aber witscht durch die Finger und läuft davon. Davon wird Taps wütend. "Mmmmmhmm, brummelt er. Da kommt Papa mit einem Waschfleck. Taps freut sich. Wenn der Papa sein Gesicht wäscht, streckt er die Zunge weit heraus und schluckt den Seifenschaum. "Pfui, Taps, sagt Papa. Taps ist betrübt. Er zieht ein Gesicht und sieht den Papa an. Papa pikt mit dem Finger auf seinen Bauch. Taps lacht. Mama und Tine sind in der Küche. Auf dem Herd steht ein blauer Topf und summt. In seinem Bauch wird das Wasser für den Tee heiß. Tine trägt ins Wohnzimmer, was Mama hinstellt: die Frühstücksbrötchen, die Butter, die Marmelade.

Einmal ist Tine im Wohnzimmer geblieben. Sie hat sich auf ihren Stuhl gesetzt und die Marmelade mit den Fingern gegessen. Da waren Papa und Mama sehr traurig, und Tine war es auch, weil sie zuviel Marmelade gegessen hatte und ihr Bauch weh tat. Am liebsten teilt Tine die Eierbecher aus. Sie sind grün und gelb und rot, und zu jedem Becher gehört ein Löffel in der gleichen Farbe. Manchmal passt Mama nicht auf und gibt ihr einen roten Löffel für einen grünen Becher. Den tauscht dann Tine wieder um. Nun sind alle vier fertig, und es wird gefrühstückt. Danach macht Mama noch die Stullen für Tine. Tine darf sich aussuchen, was sie darauf haben will. Dann gehen Taps, Tine, Mama und Papa aus dem Haus. Vor dem Haus steht eine große Kastanie. Darunter liegen viele, viele Stacheligel, aus denen glänzende, braune Kastanien schimmern. Alle warten auf Tine. "Ei, ruft sie und stürzt darauf los. Alle Taschen stopft sie damit voll, und als sie nichts mehr unterbringen kann, wirft sie die Kullern in Tapsens Wagen. Taps strahlt. Er nimmt sie und wirft sie wieder hinaus.

Papa sagt: "Jetzt ist es genug, Tine. Wir kommen sonst zu spät!'.' An der Ecke steht ein Auto. Taps ruft: "Atu, Atu! Das heißt Auto. Er steht im Wagen und brummt. Jetzt ist er selbst ein Auto. Das Auto ist weiß und dick und duftet wie frische Semmeln. An der Rückseite ist eine Tür, die steht offen. Durch die Tür sieht man viele, viele Brote. Nicht einmal die Kinder im Kindergarten könnten alle diese Brote aufessen. Es ist nicht das Auto, es sind die Brote, die so warm und frisch duften - hmmmmm -, denn sie waren eben noch im heißen Backofen. Ein Mann mit einer weißen Schürze bringt die Brote in den großen Bäckerladen an der Ecke.

Da bimmelt eine Glocke: "Bim, bim - der Zug kimmt. Eine Schranke streckt den Arm aus. "Horch, sagt der Papa. Taps und Tine horchen. Von ferne kommt es näher. "Ratterratter ... Dann pfeift die Lokomotive: "Piiüiiffff, und der Zug donnert vorbei: "Tschschsch - Tattattat. In dem Zug sitzen Leute. Taps und Tine winken. Auch die Leute im Zug winken. Der Schrankenwärter dreht sich um. Er sieht Tine. Er nimmt die Tabakspfeife aus dem Mund. "Und du? sagt er zu Tine. "Was meinst du, wo du bleibst, wenn ich jetzt die Schranke hochdrehe? Er wackelt bekümmert mit dem Kopf. Tine springt von der Schranke. Sie ist erschrocken. Mama, Papa, Tine und Taps gehen weiter. Taps steht im Wagen und sieht aufgeregt nach vorn. Vorn läuft ein Hund. Er kommt immer näher. Es ist ein großer gelber Hund, so groß wie der Kinderwagen. "Wa, wa! macht Taps. "Wau, wau, sagt der Hund. "Wawawa! schreit Taps. "Wauwauwauwauwau, bellt der Hund. Er bellt viel lauter als Taps.

"Wawawawawa, heult Taps den Hund an. Da läuft der Hund weg. Taps aber sitzt im Wagen und singt: ""Wawawawawa.Da ist auch schon die Kinderkrippe. Papa hebt Taps aus dem Wagen. Da steht Tante Irmchen und sagt: "Guten Morgen, Taps. Und Taps freut sich, als er Tante Irmchen sieht. Papa, Mama und Tine winken. Auch Taps winkt noch einmal. Nun muss noch Tine in den Kindergarten gebracht werden.

"Tine, sagt Mama, "morgen zünden wir dem Taps ein Lichtlein an und stellen Blumen auf den Tisch. Morgen hat Taps Geburtstag. "Fein, sagt Tine.

"Was wollen wir ihm denn schenken? fragt Mama. "Na, Bonbons, meint Tine.

"Nein, sagt Papa. "Bonbons isst man auf, und dann hat man nichts mehr, worüber man sich freuen kann. Aber ich weiß was: Heute Abend bleibt Tine noch ein bisschen auf, und wir bauen Taps ein Pferd aus den Kastanien. "Ja, ruft Tine, "ein Pferd mit einem langen Schwanz und einem großen Kopf.

Tine läuft die Treppen hoch, die zum Kindergarten führen. Heute hat sie im Kindergarten etwas zu erzählen.

Papa und Mama aber gehen zur Arbeit.

Hannes Hüttner
(Forumsbeitrag von Frau Mohr)


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© Mike Paßmann, Hamburg