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Immer mehr Kinder und Jugendliche werden nach der Erkenntnis von Medizinern und Psychologen verhaltensauffällig. Schätzungen zufolge bräuchte derzeit etwa ein Viertel der Schulkinder fachkundige Behandlung durch Psychologen. Deutlich sei ein Anstieg seelischer Störungen bei Kindern und Jugendlichen seit Anfang der 90er Jahre zu beobachten, berichten Experten. Ursachen seien schwindende Strukturen in Familie und Gesellschaft, die helfen könnten, seelische Folgen schwerer körperlicher oder psychischer Verwundungen aufzufangen: Fernseher oder Computer kann man seine Sorgen nicht mitteilen.
Besonders bei Jungen bleiben nach Erfahrungen von Kinder- und Jugendpsychiatern Erkrankungen wie etwa Depressionen oft unbehandelt. Das liege auch daran, dass die Kranken manchmal wenig Unterstützung bei ihrem Umfeld fänden. Ein Erwachsener will meist gar nicht wissen, dass schon Kinder und Jugendliche depressiv sein können, sagt Christa Schaff, Vorsitzende des Berufsverbandes der Ärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie in Deutschland. Die Zahl der wegen Depressionen behandelten Mädchen sei im Jugendalter statistisch drei Mal so hoch wie die der Jungen. Das bedeute aber nicht, dass Jungen weniger häufig an der Krankheit litten.
Psychische Probleme können auch den Schulerfolg beeinträchtigen. So zeigt sich, dass Kinder mit einer Empfehlung für die Hauptschule häufiger unter psychischen Erkrankungen leiden als Mädchen und Jungen, die von der Grundschule auf das Gymnasium wechseln. Die Bildungschancen Jugendlicher sind oft an Verhaltensschwierigkeiten gekoppelt, sagt der Stuttgarter Psychiater Franz Resch. Wir müssen aufpassen, dass Kinder mit seelischen Krankheiten nicht unter die Räder kommen.
Experten warnen davor, psychische Probleme bei Kindern und Jugendlichen vorschnell mit Medikamenten zu bekämpfen. Entgegen vielen Berichten sind Medikamente nicht das zentrale Behandlungsmittel in unseren Praxen und Kliniken, betont der Marburger Kinderpsychiater Helmut Remschmidt. Psychopharmaka würden lediglich in den Fällen eingesetzt, wo es dringend erforderlich sei.
(Forumsbeitrag von Frau Mohr)
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