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Ostergedicht: Die Tulpe

   

von August Graf von Platen-Hallermünde (* 24. 10. 1796 in Ansbach + 05. 12. 1835 in Syrakus)

Andre mögen andre loben,
Mir behagt dein reich Gewand,
Durch sein eigen Lied erhoben

Pflückt dich eines Dichters Hand.
In des Regenbogens sieben
Farben wardst du eingeweiht,
Und wir sehen, was wir lieben,
An dir zu derselben Zeit.
Als mit ihrem Zauberstabe
Flora dich entstehen ließ,
Einte sie des Duftes Gabe

Deinem hellen, bunten Vlies.
Doch die Blumen all, die frohen,
Standen nun voll Kummers da,
Als die Erde deinen hohen
Doppelzauber werden sah.
Göttin! o zerstör uns wieder,
Denn wer blickt uns nur noch an?
Sprach's die Rose, sprach's der Flieder,

Sprach's der niedre Thymian.
Flora kam, um auszusaugen
Deinen Blättern ihren Duft:
Du erfreust, sie sagt's, die Augen,
Sie erfreun die trunkne Luft.
(Forumsbeitrag von Frau Mohr)


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© Mike Paßmann, Hamburg