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Etwa fünf bis zehn Prozent aller in der Ehe geborenen Kinder in Deutschland stammen Schätzungen zufolge nicht vom Ehemann ab. Dieses Faktum und das entsprechende Misstrauen mancher vermeintlicher oder tatsächlicher Väter macht sich jetzt ein neuer Wirtschaftszweig zu Nutze: private Biotechnologie-Labore, die einen Gentest für jedermann anbieten. Mittels DNA-Analyse sollen familiäre Zweifelsfälle mit annähernd 100- prozentiger Sicherheit geklärt werden.
Mehr als 2.000 Tests hat zum Beispiel die Firma Humatrix in Frankfurt nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr ausgewertet, 20 Gutachten pro Woche sind es derzeit beim Konkurrenten Biotix in Potsdam. Biotix hat eine kostenlose Hotline eingerichtet, über die zunächst die Vertragsunterlagen angefordert werden können. Anschließend kommen so genannte DNA-Bürsten ins Haus, die bei den Probanden über die Mundschleimhaut gestrichen und dann eingeschickt werden müssen. Entsprechende Sets mit Reagenzgläsern und Wattestäbchen verkauft Konkurrent Humatrix für 20 Euro über die Apotheke. Für das Gutachten, das innerhalb von 72 Stunden im Briefkasten stecken soll, werden noch einmal mindestens 740 Euro fällig. Biotix verlangt insgesamt 650 Euro.
Kritiker erheben ethische Bedenken gegen die DNA-Schnelltests. Schließlich werden damit auf dem Postweg Umstände geschaffen, die dramatische seelische und familiäre Folgen haben können - und das meist ohne Kenntnis der übrigen Beteiligten. Heimlich genommene Proben sind unzulässig, sagt Thilo Weichert, Stellvertretender Datenschutzbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein. Sie verletzen das Persönlichkeitsrecht des Kindes. Nach Schätzung Weicherts geht es bei 98 Prozent der Fälle nicht mit rechten Dingen zu: Eine schriftliche Einwilligung der Mutter als zweiter Sorgeberechtigter fehlt.
Glaubt man den Unternehmen, so haben die meisten Tests in der Praxis keine dramatischen Konsequenzen. In 80 Prozent der Fälle werde die Vaterschaft bestätigt, schätzt Biotix-Chef Krahn. Entgegen der Ansicht der Kritiker erfüllten die Tests eine positive soziale Funktion, heißt es bei den Anbietern übereinstimmend. Schließlich werde mit ihrer Hilfe die Ungewissheit beseitigt, mit der sich viele scheinbare Väter über Jahre hinweg quälten. Und das, ohne die Familie vor Gericht zu zerren, betont Humatrix-Sprecher Reiner Merz.
(Forumsbeitrag von Frau Mohr)
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