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Kindstod durch Nikotin

   

Jedes Jahr sterben in Deutschland mehr als 500 Babys im ersten Lebensjahr einen immer noch rätselhaften Tod - plötzlich und unerwartet aus scheinbarer Gesundheit heraus, so die offizielle Definition. Der plötzliche Kindstod ist in den Industrieländern die häufigste Todesursache von Säuglingen im Alter von vier Wochen bis zu einem Jahr. Studien haben gezeigt, dass deutlich mehr Kinder von Raucherinnen davon betroffen sind.

Konsumiert die Mutter in der Schwangerschaft bis zu zehn Zigaretten täglich, verdreifacht sie das Risiko ihres Babys, am plötzlichen Kindstod zu sterben. Mehr als zehn Zigaretten am Tag verzehnfachen die Gefahr. Raucht die Mutter nach der Geburt mit gleicher Intensität in Anwesenheit ihres Säuglings weiter, ist dessen Todesrisiko statistisch sogar 20 Mal höher als das von Babys, deren Mütter sich von Zigaretten fernhalten.

Den dahinter stehenden Mechanismus glauben Wissenschaftler des Pasteur-Instituts in Paris und des Stockholmer Karolinska-Instituts nun in Experimenten mit Mäusen gefunden zu haben. Ihre Erkenntnisse hat das Forscherteam im internationalen Fachblatt Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht.

Demnach wirkt Nikotin als Nervengift auf Andockstellen im Gehirn, die bei der Kontrolle der Atmung und des Aufwachens eine wichtige Rolle spielen. Es dämpft die Empfindlichkeit eines bestimmten Eiweißkomplexes, der die Aufgabe hat, bei schlechter Sauerstoffversorgung während des Schlafs Alarm zu schlagen und eine Art Aufwachreflex auszulösen. Bei Säuglingen, deren Mütter während der Schwangerschaft geraucht haben, könnte das immer wieder aufgenommene Nikotin die Funktionsfähigkeit dieser Andockstellen beeinträchtigt haben, vermuten die Forscher.
(Forumsbeitrag von Frau Mohr)


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© Mike Paßmann, Hamburg