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| Kindgerechte Arzneimittel in Deutschland |
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In Amerika müssen Pharmahersteller bereits seit 1997 in aufwendigen klinischen Studien die Wirksamkeit ihrer Medikamente bei Kindern nachweisen. In Deutschland gab es bis vor kurzem keine vergleichbare gesetzliche Regelung. Hier sind nur etwa 20 Prozent der zugelassenen Arzneimittel auf ihre Wirksamkeit für Kinder und Jugendliche hin überprüft. Nun wurde letzten Donnerstag vom Europaparlament eine neue Verordnung gebilligt. Ab 2007 müssen alle neuen Medikamente vor ihrer Zulassung, auch für Kinder klinisch getestet werden. Das neue Gesetz muss vom Rat nur noch formell verabschiedet werden, da sich das Parlament und der Ministerrat bereits im Vorfeld auf einen Kompromiss verständigt haben.
Die Pharmaindustrie sieht, unter anderem aufgrund der hohen Kosten für die Durchführung klinischer Studien, hier keinen lukrativen Markt. Deshalb will die EU finanzielle Anreize bieten. Der bisher gültige 20-jährige Patentschutz soll um sechs Monate verlängert werden, wenn die Medikamente auch auf ihre Verträglichkeit für Kinder getestet wurden.
Was diese sechs Monate den Pharmaherstellern für Erträge bringen können, zeigt sich in den USA. Wie die FDA ermittelte, werden die Hersteller in den nächsten 20 Jahren rund 29 Mrd. US-Dollar mit dieser Verlängerung verdienen.
Bereits Anfang 2007 könnten die ersten neuen Medikamente, die auch für Kinder getestet wurden, in Deutschland zugelassen werden.
Um Medikamente, die bereits auf dem Markt sind und keinen Patentschutz mehr haben, auch nachträglich noch zu untersuchen, soll ein aus öffentlichen Mitteln finanziertes Programm aufgelegt werden.
Kritische Stimmen geben allerdings zu bedenken, dass Pharmahersteller, die jedes Jahr ein-, bis zweistellige Milliardenbeträge Gewinn ausweisen, nicht auch noch subventioniert werden müssten, um klinische Studien mit Kindern durchzuführen. Die Hersteller würden sich bisher alleine wegen eines möglichen Imageschadens weigern, Medikamente auch für Kinder zu testen. Ein Todesfall, zum Beispiel bei einem Baby, würde einen irreparablen Imageverlust verursachen, der sich negativ auf ein lukratives Geschäft im Bereich von Medikamenten für Erwachsene auswirken würde.
(Redaktion)
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