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| Kinder oft unnötig therapiert |
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Kinder in Deutschland erhalten nach Aussagen von Kinderärzten zu viele unnötige Behandlungen wie Sprach- oder Bewegungstherapien. Den Angaben zufolge hat jedes vierte nicht behinderte Kind bis zum achten Lebensjahr mindestens eine Therapie durchlaufen, obwohl nur jedes zehnte Kind als wirklich therapiebedürftig gilt. Längst gibt es einen Therapiemarkt, der sich selbst am Leben hält, kritisiert der Leiter des Kinderneurologischen Zentrums in Bonn, Hans-Georg Schlack.
Sehr häufig sind Therapien nicht vonnöten, weil die vermeintlichen Störungen hausgemacht sind, bestätigt die Sprecherin des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Gunhild Kilian-Kornell. Außer Kindern mit behandlungsbedürftigen Entwicklungsstörungen gäbe es jene, die einfach nicht genügend Anregungen bekämen, sich ausreichend zu bewegen und zu spielen. Sie sitzen vor dem Fernseher und konsumieren nur, dabei können sie etwa ihre Fingerfertigkeiten nicht entwickeln, so die Expertin.
Die Wünsche der Eltern nach Therapieangeboten nähmen deutlich zu. Sie beachten aber oft nicht, dass es keine Normkinder gibt und jedes Kind individuelle Zeit braucht, um sich entwickeln zu können, sagt Kilian- Kornell. Manchmal ist es sicher hilfreich, die Kinder mit einer Kurztherapie auf den richtigen Weg zu bringen, aber oft wird zu lange therapiert.
Es sei außerordentlich schwierig zu diagnostizieren, wann eine normale Abweichung in der Kindesentwicklung vorliege und wann eine krankhafte Störung, betont Kinderneurologe Schlack. Eltern und Kinderärzte sollten jedoch die Risiken einer unnötigen Behandlung für das Kind sehen: In vielen Fällen wird dadurch dem Kind das Gefühl vermittelt, das etwas nicht stimmt. Ich kenne Fälle, in denen die Kinder denken, sie seien behindert - völlig zu Unrecht.
(Forumsbeitrag von Frau Mohr)
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