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Gefährliche Ideale

   

In den vergangenen 20 Jahren haben Essstörungen bei Heranwachsenden ständig zugenommen. Neben Fastentagen, Diäten und exzessivem Sporttreiben greifen laut einer Studie der Friedrich-Schiller-Universität in Jena immer mehr Jugendliche auch zu Medikamenten wie Abführmitteln, Appetitzüglern und sogar Entwässerungstabletten, um ihrem Schönheitsideal nahe zu kommen. Betroffen sind vor allem Personen im Alter zwischen elf und 25 Jahren. Wer es dann nicht hat, bekommt es nicht mehr, sagt Birgit Mauler, leitende Psychologin der Christoph-Dornier-Klinik in Münster.

Längst betrifft das Problem nicht mehr nur die weibliche Jugend. Der Jenaer Psychologieprofessor Bernhard Strauss entdeckte in seiner Studie bei immerhin 13 Prozent der jungen Männer eindeutige Symptome für Essstörungen. Betroffene wögen bei einer Körpergröße von 1,80 Metern nicht selten nur 60 Kilogramm, sagt Sven-David Müller, Sprecher der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik in Aachen. Trotzdem komme niemand auf die Idee, dass die schlaksigen Menschen an Magersucht litten, kritisiert Müller. Der ist gerade im Wachstum, der hat schon immer schlecht gegessen oder der ist immer so dünn gewesen, seien häufige Erklärungen.

Auch bei jungen Männern liege die Ursache für die Essstörungen häufig in einem falschen Schönheitsideal, so Müller weiter. Auf der Jagd nach dem Waschbrettbauch gerieten sie in einen Teufelskreis. Wenn die ersten Pfunde purzelten, komme zunächst die Bestätigung. Alle sagen: Früher hattest Du ein kleines Bierbäuchlein. Heute siehst Du aber viel besser aus, illustriert Müller. Wer dann die Selbstkontrolle verliere, könne sich krank hungern. Der Weg ist dann frei zu einer voll entwickelten Magersucht (Anorexie) oder einer Ess-Brechsucht (Bulimie). Zwischen beiden gibt es fließende Grenzen. Magersucht ist das tödlichste psychische Leiden, erklärt Psychologin Mauler aus Münster. 15 Prozent der Erkrankten sterben daran.

Damit es so weit nicht kommt, müssen Eltern und Ärzte die Frühsymptome erkennen. Dazu gehören zum Beispiel die ständige Beschäftigung mit Figur und Gewicht sowie die Weigerung, in Gesellschaft zu essen. Als erste Gegenmaßnahme gilt es, das Selbstwertgefühl der Jugendlichen zu korrigieren. Sie dürfen ihr Selbstbewusstsein nicht ausschließlich aus ihrem gestörten Körpergefühl beziehen, sondern aus anderen, für sie wichtigen Dingen. Gelingt das nicht im täglichen Umgang, dann ist eine professionelle Psychotherapie erforderlich.
(Forumsbeitrag von Frau Mohr)


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© Mike Paßmann, Hamburg