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Frauen: Frust statt Lust

   

Etwa 30 bis 50 Prozent aller Frauen leiden Schätzungen zufolge unter sexuellen Störungen.
Die meisten haben mit Libidoverlust, Orgasmusstörungen oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr zu kämpfen. Im Gegensatz zu sexuellen Störungen von Männern sind die von Frauen noch immer ein weitgehend unerforschtes Terrain.

Prof. Irwin Goldstein von der Boston University School of Medicine in Hamburg stellte unlängst Studien vor, nach denen etwa 43 Prozent aller Frauen im Alter von 18 bis 59 Jahren unter sexuelle Funktionsstörungen leiden. Die Forscher diagnostizierten bei 22 Prozent Libidoverlust, bei 14 Prozent Frigidität, bei 7 Prozent Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und bei 21 Prozent Trockenheit der Scheide. Die Ursachen seien nur vage erforscht. Stress und der emotionale Zustand scheinen eine Rolle zu spielen, ebenso das Rauchen und vor allem die Wechseljahre. Auch Depressionen und die Einnahme von Antidepressiva wirkten sich offenbar dämpfend auf die Libido aus. Krankheitsbedingte Ursachen wie Diabetes, die für Männer entscheidend sind, spielten bei Frauen nur eine untergeordnete Rolle.

Nach Angaben der Hamburger Gynäkologin Anneliese Schwenkhagen mehren sich in den vergangenen Jahren Hinweise darauf, dass auch bei Frauen ein Mangel an männlichen Hormonen, so genannten Androgenen wie Testosteron, zu einer verminderten Libido führen kann. Hinzu kämen weitere Beschwerden wie ständige Müdigkeit, Unwohlsein und eine schlechte Lebensqualität. Internationale Studien hätten gezeigt, dass eine Androgen-Ersatztherapie in diesen Fällen die sexuellen Funktionen der Frauen zum Teil deutlich verbessern kann. Doch in Deutschland gibt es dafür noch kein zugelassenes Medikament, klagt die Medizinerin.

Allerdings ist fraglich, ob eine Androgen-Ersatztherapie wirklich die Probleme weiblicher Sexualität lösen kann. So berichtet Schwenkhagen, dass mehr als die Hälfte aller Frauen, die sich selbst ein erfülltes Sexualleben bescheinigen, nur sehr selten an Sex denken. Als Gründe für sexuelle Kontakte würden weniger die Libido als vielmehr der Wunsch nach Emotionalität und Nähe angeführt. Auch die italienische Gynäkologin Rossella Nappi von der Universität Pavia warnt davor, weibliche Sexualstörungen auf biologische oder medizinische Faktoren einzuengen. Psychologische und Beziehungsaspekte müssten ebenfalls beachtet und gegebenenfalls mit dem behandelnden Frauenarzt diskutiert werden.
(Forumsbeitrag von Frau Mohr)


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© Mike Paßmann, Hamburg