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| Erziehung oder Bildung durch Beziehung? |
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Gedanken zur Erziehung:
Eigentlich ist in dem Begriff Erziehung bereits das ganze Dilemma der menschlichen Zivilisation enthalten. Der Mensch im allgemeinen sieht und empfindet sich zu wenig als ein Teil der Welt und ist stets geneigt, seine Umwelt zu verändern, noch bevor er sich selbst erkannt, angenommen und mit als Aufgabe gewählt hat. Je weniger er mit sich selbst zurecht kommt, um so mehr möchte er seine Mitwelt beeinflussen. Im Jugendalter mag dieser Zustand durchaus seinen Sinn haben, im Erwachsenenalter ist er gefährlich.
Selbst bei einer wohlwollenden Auslegung enthält der Begriff Erziehung eine grundsätzliche Haltung. Er enthält zu viel an Einflussnahme, Manipulation, Selbstüberschätzung, Überheblichkeit seitens der Erwachsenen.
In einer Ausgabe des Brockhaus von 1985 ist zu lesen:
Erziehung ist die körperliche, geistige und sittliche Formung des Menschen, besonders der Jugend. Sie beginnt in der Familie (Kinderstube), die seit Jahrhunderten mehr und mehr durch die Schule unterstützt wird. Außerdem wirken die Kirchen- und Jugendorganisationen mit. Ziel ist, den jungen Menschen in die bestehende Kultur einzufügen und ihn zur selbständigen Persönlichkeit zu entwickeln. Mittel der Erziehung: Belehrung, Willensbildung, Übung, Gewöhnung, Vorbild.
Zu dieser Definition ist zu sagen, dass die Realität heute größtenteils sehr viel anders aussieht. Weder Elternhaus, noch Schule, noch Kirchen- und Jugendorganisationen sind heute allgemein in der Lage, den jungen Menschen die nötige Zuwendung zu geben. Außerdem kann eine Entwicklung zur selbständigen Persönlichkeit weniger durch Formung, als durch Ermöglichung, und weniger durch Einfügung in eine bestehende Kultur, als vielmehr durch Befähigung zur Mitgestaltung, zur Veränderung und damit Belebung erfolgen.
Für mich verbinden sich mit dem Begriff Erziehung die Begriffe ziehen, Zucht und Zögling, alle mit mehr oder weniger Gewalt verbundene Begriffe. Interessant finde ich auch, dass der Begriff Erziehung im pädagogischen Bereich fast ausschließlich in Bezug auf Kinder verwendet wird, während man für Erwachsene lieber den Begriff Bildung verwendet. Der direkte Vergleich zwischen den Begriffen Erwachsenen-Bildung und Erwachsenen-Erziehung lässt schon vom Klang her einen deutlichen Unterschied spürbar werden.
Wie viele Neurosen, innere Unsicherheiten und Spaltungen entstehen durch unterschwellige Zwänge einer zu sehr einflussnehmenden Erziehung, die meist auf beiden Seiten nicht bewusst wird. Selbstzweifel, Unsicherheit, Zerrissenheit, Verweigerung, Hass und Gewalt sind nicht selten die Folge.
Was die Menschlichkeit betrifft, so kann Deutschland durchaus als ein Entwicklungsland angesehen werden, das von manchen sogenannten unterentwickelten Ländern der dritten Welt lernen könnte.
Zu viel Erziehung geht meist zu Lasten der Beziehung. Jede aktive Erziehung ist fast immer auf Unsicherheit und Angst oder Egoismus, auf jeden Fall auf Defiziten des Erziehenden selbst oder auf Zeitmangel begründet.
Achte die Kinder als eigenständige Menschen, sei ihnen mündiges Vorbild
mit eigenen Bedürfnissen, gib ihnen so viel an Zuwendung und Liebe wie möglich,
fördere und fordere sie und zeige ihnen ihre Grenzen so oft wie nötig.
(Forumsbeitrag von pannengeier)
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